Dass ich mit dem Begriff Baustellenmarketing etwas hadere, habe ich in der Startepisode ja schon gesagt. Deswegen habe ich mal im Netz geguckt, was die anderen da draußen so sagen. Und ich war erstaunt, dass sich zu der Fragestellung nicht mal eben mit zwei bis drei Klicks eine klare Antwort findet. Die muss man sich schon aus verschiedenen Quellen selbst zusammenbasteln. In dieser Podcast-Episode gebe ich Dir meine ganz persönliche Definition von Baustellenmarketing. Die wahrscheinlich so auch nur für mich zutrifft, weil ich für mich einen ganz speziellen Schwerpunkt gesetzt habe. Einen Schwerpunkt, der zu meinen Werten passt und mit dem ich in der Praxis bisher sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Reflektiere das gerne mit Deiner eigenen Meinung und nimm das mit, was zu Dir passt. Wir sind hier schließlich nicht bei: Schlauer sterben mit Heiko Link! 😉

Marketing: “Kauf bei uns, weil wir der geilste Hecht im Teich sind”, ist mir persönlich zu wenig und nervt.

Baustellenmarkting um den Umsatz anzukurbeln

Das Marketing soll den Umsatz steigern.

Mein Eindruck ist, das beim Begriff Baustellenmarketing oft an Immobilien gedacht wird, wo schon während (oder auch vor Beginn) der Bauphase der spätere Umsatz angekurbelt werden soll. Also beispielsweise ein Kaufhaus oder ein Hotel. Über den Bau an sich wird natürlich berichtet und dazu kommen Aktionen, wie zum Beispiel Führungen im Rohbau. Die spätere Kundschaft soll damit schon mal angefixt werden. Ein Beispiel dafür ist das Hotel “The Fontenay” in Hamburg, das bereits während der Bauphase auf Facebook recht aktiv war und auch viele Interessierte hatte, die das Baugeschehen verfolgten.

Zum Zusammenspiel der Berichterstattung und der Marketingaktionen, könnte man jetzt natürlich noch ganz viel sagen. Ich würde es für heute gerne bei diesem ersten Gedanken belassen und in einer späteren Episode noch mal auf einzelne Aspekte dieses Zusammenspiels eingehen. Und zwar insbesondere auf die Punkte, die sich auf Kommunen und öffentliche Bauprojekte – mit ein bisschen Anpassung – übertragen lassen.

Content Marketing hörst Du gerne und freiwillig

Ich bin ein großer Freund des Content Marketing. Das heißt: Ich liefere meiner Zielgruppe für sie relevante Informationen, die einen praktischen Mehrwert und Nutzen liefern. Klassische Werbung im Sinne von “Guck mal, wie toll unser Produkt ist. Kauf es!” törnt mich persönlich total ab. Das nervt einfach nur!

Deswegen produziere ich den Baustellenpodcast, den Du gerade hörst. Und am Ende – oder auch mal zwischendurch – gibt es den Hinweis, dass Du mich auch buchen kannst. Ich hoffe, dass Du mich sympathisch und meine Inhalte gut findest und Dir dann sagst: “Den Link, den fragen wir mal an.” Alternativ könnte ich Dich mit Werbespots oder Anzeigen bombardieren, in denen ich immer sage, wie toll und geil meine Dienstleistung ist und dass Du die unbedingt haben musst. “Ich bin toll! Kauf bei mir!”, als einziger Inhalt. Entscheide selbst, was Dir besser gefällt. Podcast hören, dass dauert schließlich länger, als sich ein Werbeplakat angucken. 😉 Aber wenn Du Dich für den Podcast entscheidest, dann wird er Dir nicht mitten in Deinem Lieblingsfilm aufgezwungen. Stattdessen hörst Du ihn gerne und freiwillig! Und genau darum geht’s!

Heiko beim Podcasten: Und? Hörst Du mich freiwillig? Gefällt’s Dir? Dann buch mich gefälligst! 😉

Die “Kauf-bei-uns-Strategie” gibt es in etwas abgewandelter Form auch bei Baustellen. Das sieht dann so aus: “Guck mal, wie toll hinterher alles aussehen wird. Dafür schluckst Du jetzt gefälligst die Sperrungen und den Stau!”

Wenn Du keinen Spaß hast, dann hat ihn keiner

Um die Erklärung zu vereinfachen, gehen wir mal von dem unrealistischen Fall aus, dass alle Betroffenen auch der Meinung sind, dass es hinterher schöner wird. (Der realistische Fall, dass ist dann wieder eine neue Podcast-Episode. *lacht*) Selbstverständlich darf und sollte ich als Bauherr dann darauf hinweisen, dass hinterher alles viel schöner und besser wird. Aber doch bitte nicht in dieser (unterschwelligen) Abfertigungsmanier! Vogel friss oder stirb. Und mir ist klar, dass Du das von Amts wegen so machen könntest. Dass so ein Vorgehen Arbeit spart und den Job erleichtert, ist meiner Einschätzung nach allerdings eine Illusion.

Genau darum geht es mir aber: Dein Job soll leichter werden und Du sollst auch Spaß dran haben! Denn wenn das nicht so ist, dann haben die Betroffenen in der Baustelle mit Dir auch keinen Spaß und dann geht der Ärger los …

Es geht um die Menschen

Für mich ist Baustellenmarketing im Kern ein Kommunikationsthema. Es geht um die Menschen und darum, ob ich auch mit einem Nörgler wertschätzend umgehen kann, oder nicht. Denn die große Herausforderung ist ja wahrscheinlich nicht der Asphalteinbau, sondern die Bürgerinitative, die einen Bürgerentscheid erwirken will, um den Asphalteinbau zu verhindern. Und ich rede nicht von einer neuen Straße, die zukünftig eine schöne Landschaft verschandeln wird, sondern von der schon zig mal geflickten Fahrbahn der Ortsdurchfahrt aus den 60er Jahren, die wirklich dringend saniert werden muss. (Ein schönes Beispiel für eine neue Straße ist übrigens die Nordumgehung in Bad Oeynhausen mit dem dazugehörigen Autobahn Film. Du ahnst es schon: So schnell geht mir der Stoff für neue Podcast-Episoden nicht aus! *grinst*)

Bei der mündlichen oder schriftlichen Kommunikation im echten Leben oder im Netz, liefere ich als Bauherr transparent Informationen mit echtem Mehrwert für die Betroffenen. Im Gegenzug bekomme ich dafür Akzeptanz und Vertrauen. Das macht zu Anfang mehr Arbeit, ja, schlägt dann aber relativ schnell ins Gegenteil um. Langfristig gesehen, passt das unterm Strich.

Besonders originell sein wollen blockiert

Eine Information mit echtem Mehrwert muss gar nicht das Riesending sein. Das geht schon los bei: Der Müll wird Morgen trotz Sperrung abgeholt. Oder: Der alte Gehweg wird so abgerissen (zurückgebaut), dass keine großen Löcher vor den Grundstücken der Anwohner zurückbleiben. Von sich aus aktiv mit Infos raus zu gehen, ist da schon die halbe Miete.

Transparenz beginnt schon bei so einer kleinen, aktiv und im Voraus gebrachten Meldung, wie: Morgen wird trotz bestem Wetter keiner in der Baustelle sein, weil die Baufirma aus dem angrenzenden Niedersachsen kommt, wo Morgen ein Feiertag ist, den wir in Nordrhein-Westalen nicht haben.

Die Kommunikation lässt sich mit Aktionen unterstützen, wo wir dann schon eher beim klassischen Verständnis von Baustellenmarketing sind. In der Fußgängerzone in Minden gab es mal eine Boccia-Bahn, um ein bisschen Spiel und Spaß während des Umbaus zu bieten. Als kleine “Baustellenaktion” würden bei mir aber schon Schilder durchgehen, die am Beginn der Sperrung stehen und auf denen steht: “Folgende Firmen sind trotz der Bauarbeiten erreichbar …”

Boccia-Bahn in der Fußgängerzone: Gemeinsames Spiel soll den Mindener Bürgern die Baustelle versüßen. Foto: Peer Hoffmann

Ich finde es wichtig, auch an so kleine “Marketingaktionen” wie Hinweisschilder zu denken. Denn wenn Du Dich auf die Suche nach den wahnsinnig originellen Super-Ideen begibst, dann wird Du am Ende keine finden. Oder es wird ein sehr langer und qualvoller Prozess, mit mäßigem Ergebnis. Nicht meine Baustelle! 😉

Baustellen-Content-Marketing ist Beziehungsaufbau

Abschließend kann ich sagen, dass Baustellenmarketing für mich Beziehungsaufbau ist. Genau wie Content Marketing auch. Ich habe Hörer*innen und Leser*innen, denen ich helfe und irgendwann kommt was zurück. Vielleicht eine nette Mail, Unterstützung bei einer Frage die ich habe, eine Weiterempfehlung oder ein Auftrag.

Beim “Baustellen-Content-Marketing” / bei guter Baustellenkommunikation kommt zum Beispiel ein gepflegter Umgang mit Leuten zurück, die Einschränkungen durch Baustellen haben. Was den Bürgerentscheid verhindert. Oder auch “nur” böse Mails, Kommentare oder Anrufe. Man glaubt es kaum, aber: Ich habe es sogar schon mehrfach erlebt, dass nette Kommentare, Mails und Anrufe kamen! #Doppelschwör Hat sich was mit: Nicht gemeckert ist Lob genug!

Baustellenmarketing ist für mich auch, eben nicht nur eine Standard-Pressemeldung an die Lokalzeitung raus zu hauen, sondern den Empfängerinnen und Empfängern der Meldung die Möglichkeit zur Interaktion zu geben. Dann fühle ich mich als von der Baustelle Betroffene*r gehört und berücksichtigt. Und ob Du es glaubst, oder nicht: Das macht sogar schlechte Nachrichten leichter verdaulich!

Und das alles ist doch zum Einen keine große Sache und gleichzeitig so viel mehr, als einfach nur Marketing. Oder nicht? Auch Du hast die Gelegenheit zur Interaktion mit mir. Deswegen: Lass es ruhig raus! 😉

In diesem Sinne: Heiter weiter!

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Grafiken: Pixabay Mohamed Hassan und Peggy_Marco
Fotos: Oliver Windus und Peer Hoffmann